HABICHTSWALDKLINIK
Abteilung Onkologie

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Knochenmetastasen ©

 

Knochenmetastasen: Einleitung

Me tastasen sind Absiedlungen oder sog. Streuherde von Tumoren in andere Organe bzw. Gewebe. Sie können an ganz verschiedenen Stellen des Körpers auftreten. Für bestimmte Tumorarten gibt es teilweise charakteristische Metastasierungsorte. Einer der häufigsten Orte sind die Knochen. Tumoren der Brust (Mamma-Karzinome), der Prostata (Prostata-Karzinome), aber auch andere Tumoren bilden Tochtergeschwülste in den Knochen, wobei erfahrungsgemäß insbesondere die Knochen des sog. Achsenskelettes, also Wirbelsäule, Becken, Oberschenkel, Oberarm, aber auch Rippen und Schädel betroffen sind. Sehr selten sind Knochenmetastasen in den kleinen Knochen, z. B. der Hände oder Füße. 

Wenn sich Tumorzellen im Knochen absiedeln, so führen sie zu einer Veränderung des Gleichgewichtes zwischen Osteoklasten, den knochenauflösenden Zellen, und Osteoblasten, den knochenbildenden Zellen. Im normalen Knochen besteht zwischen beiden Zellarten ein Gleichgewicht, so dass sich Knochen durch Aufbau- und Abbauvorgänge immer wieder an die verschiedenen Belastungen anpassen können. Durch Botenstoffe, die von den Tumorzellen freigesetzt werden, werden Osteoklasten und Osteoblasten beeinflusst.

Knochenmetastasen: die zwei Arten von Knochenmetastasen

Es gibt zwei Arten von Knochenmetastasen, die osteolytischen und die osteoplastischen. Das Wort „Lyse“ steht für Auflösung und bedeutet, dass durch den Einfluss der Tumorzellen am Knochen auflösende Prozesse stattfinden. Es kommt zu Defekten und dadurch zu Instabilitäten des Knochens. Bei osteoplastischen Knochenmetastasen kommt es dagegen zu einer Verdichtung des Knochens. Auch osteoplastische Knochenmetastasen sind charakterisiert durch eine Veränderung des Knochengewebes und somit eine verminderte Beanspruchbarkeit. 

Knochenmetastasen finden sich meist in der harten Substanz des Knochens und nicht in dem zentral gelegenen Knochenmark. Wenn Me tastasen (auch) das Knochenmark befallen, so kann neben der Stabilität des Knochens auch die im Knochenmark stattfindende Blutbildung beeinträchtigt sein.

Knochenmetastasen: Entwicklung der Knochenmetastasen

Knochenmetastasen können sich unbemerkt entwickeln, manchmal werden sie erst bei auftretender Instabilität durch Schmerzen bemerkt. Gefährlich sind in dieser Situation leichte Beanspruchungen des Knochens wie z. B. Stöße oder Hinfallen, wobei es leicht zu Knochenbrüchen kommen kann. Bei fortgeschrittenen Knochenmetastasen können auch spontan Brüche auftreten. Je nach Lage des Bruches können neben Schmerzen auch andere Folgeerscheinungen, wie z. B. Nervenschäden und Lähmungen auftreten. 

Entwickeln sich größere oder zahlreiche Knochenmetastasen, so kann es durch eine Auflösung des Knochens und daraus folgende Freisetzung von Kalzium auch zu einem Anstieg des Kalziums im Blut kommen. Diese sog. Hyperkalzämie kann für den Patienten gefährlich werden, wenn es zur Beeinträchtigung der Nierenfunktion, Muskelschwäche oder im ausgeprägten Fall zur Entwicklung eines Komas kommt. 

Die Entstehung von Knochenmetastasen läuft in sechs Stadien ab:

Abb. Roche Onkologie
http://www.krebs-info.ch/de/krebsarten/knochen_grundlagen.shtml

1. Krebszellen lösen sich schon im frühen Stadium vom Tumor. Sie siedeln sich in Nischen der Blutgefässe an. Dort sterben sie ab oder "schlafen", um später, manchmal erst nach Jahren, wieder aktiv zu werden. (Stadium I)

2. Diese aktiven Krebszellen durchbrechen die Gefäßwand und gelangen in das angrenzende Gewebe. (Stadium II)

3. Sie breiten sich Richtung Knochen aus. (Stadium III)

4. Anschließend setzen sie sich auf der Knochenoberfläche ab und regen die Produktion von Gefäßen und Bindegewebe an. (Stadium IV)

5. Im Bereich der angesiedelten Krebszellen ist im Knochen eine kleine Metastase (eine Mikrometastase) entstanden. Sie kann ab einer Größe von 3 mm durch eine Magnetresonanztomographie nachgewiesen werden. (Stadium V)

6. Die Metastase breitet sich aus und verursacht Schädigungen am Knochen. (Stadium VI)

Knochenmetastasen: Feststellen und Darstellung der Knochenmetastasen

Knochenmetastasen können vor allen Dingen durch Röntgenuntersuchungen dargestellt werden. Hierbei ist die einzelne normale Röntgenaufnahme des Knochens sinnvoll, wenn eine genaue Darstellung einer einzelnen Me tastase gewünscht ist. Im sog. Knochenszintigramm, bei dem eine radioaktive Substanz eingesetzt wird, die sich an den Stellen im Knochen anreichert, wo gerade Stoffwechselprozesse stattfinden, werden alle Abschnitte des Skelettsystems markiert, die stoffwechselaktiv sind. So finden sich Anreicherungen z. B. auch im Bereich von aktivierten Arthrosen oder im Bereich einer Arthritis.

Auch mittels Computertomographie oder Kernspintomographie (MRT) lassen sich Knochenmetastasen darstellen. Bei den Laborwerten kann es zu einem Anstieg des Kalziumwertes (siehe oben) bzw. der sog. alkalischen Phosphatase, einem Enzym des Knochenstoffwechsels, kommen.

Knochenmetastasen: Behandlung von Knochenmetastasen

Zur Behandlung von Knochenmetastasen stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Zunächst kann durch Gabe sog. Bisphosphonate eine medikamentöse Stabilisierung des Knochens eingeleitet werden. Bisphosphonate binden sich an den Knochen, werden von Osteoklasten aufgenommen und behindern diese in ihrer Tätigkeit. Darüber hinaus fördern Bisphosphonate den Aufbau neuer Knochensubstanz. Bisphosphonate können auch bei hohem Kalziumspiegel eingesetzt werden, um das Kalzium wieder an den Knochen zu binden. Darüber hinaus bremsen sie das Fortschreiten einer Knochenmetastasierung.

Bisphosphonate werden in der Regel gut vertragen, sie sollten mit einigem Abstand von den Mahlzeiten eingenommen werden, falls sie oral verabreicht werden. Bisphosphonate werden häufig als Infusionen verabreicht, die alle 3-4 Wochen erfolgen. Auch die Infusionen sind in der Regel gut verträglich, gelegentlich kann es jedoch vor allen Dingen bei der ersten Gabe zu Schmerzen im Skelettsystem, aber auch zu Übelkeit und Kreislauferscheinungen kommen. Bei einigen Bisphosphonaten wurde (bei zu schneller Infusion) eine Schädigung der Niere ausgelöst.

Eine erst seit relativ kurzer Zeit bekannte Nebenwirkung von Bisphosphonaten ist eine Nekrose (Gewebsuntergang) von Knochen, insbesondere im Bereich des Unterkiefers. Diese Nebenwirkung ist sehr selten. Das Risiko wird erhöht, wenn während der Therapie kieferchirurgische Eingriffe erforderlich sind. Deshalb sollten Patienten, die geplant mit einer Bisphosphonattherapie anfangen können, zunächst ihren Zahnarzt aufsuchen und mögliche Herde vorab behandeln lassen. 

Bei einzelnen Knochenmetastasen oder bei besonderer Frakturgefährdung werden lokale Maßnahmen wie eine Operation und/oder eine Bestrahlung erforderlich. Eine Bestrahlung führt nach einiger Zeit zu einer Abnahme der Schmerzen, die Stabilisierung des Knochens setzt erst mit mehreren Wochen Verzögerung ein. Bestrahlung und Bisphosphonattherapie sind gut zu kombinieren. Bei der Operation kommen verschieden Verfahren zur Anwendung. Meist wird der Defekt im Knochen durch künstliches Material überbrückt und stabilisiert.

Bei Patienten mit einer ausgedehnten Knochenmetastasierung kann auch eine Therapie mit einer radioaktiven Substanz, die sich im Knochen anreichert, helfen. Ein häufig eingesetztes Mittel ist das Radionuklid Samarium. Mit dieser Therapie gelingt eine Behandlung im gesamten Knochensystem an Stelle von abschnittsweisen Bestrahlungen. 

Nebenwirkungen der Bestrahlung und Radionuklidtherapie ist eine Unterdrückung der blutbildenden Funktion des Knochenmarks, die, wenn große Abschnitt bestrahlt werden, zu auch anhaltenden Einschränkungen der Blutbildung führen können. Dies kann besonders dann problematisch werden, wenn später eine Chemotherapie folgen soll. Strahlentherapeut, Nuklearmediziner und Onkologe sollten sich deshalb vor jedem Therapieabschnitt abstimmen.

Auch die zielgerichtete Therapie gegen den Tumor, z. B. durch eine Chemotherapie, muss bei Knochenmetastasen erwogen werden. Speziell beim Brustkrebs oder Prostatakrebs ist außerdem zu überlegen, ob Möglichkeiten einer antihormonellen Therapie gegeben sind. 

Bei Schmerzen aufgrund von Knochenmetastasen sind darüber hinaus alle Schritte einer modernen Schmerztherapie einzuleiten (siehe Kapitel Schmerztherapie).

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 © Dr. Jutta Hübner, Onkologie

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Aktualisiert: Juni 2010

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