HABICHTSWALDKLINIK
Abteilung Onkologie

Die integrative Onkologie vereint universitäre Medizin,
 Naturheilkunde und Psychoonkologie

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Hodencarcinom ©


In der Altersgruppe zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr ist das bösartige
Hodencarcinom die häufigste Krebserkrankung des Mannes, obwohl insgesamt das Hodencarcinom mit 1-2 % aller Tumorerkrankungen selten ist.

Der einzige gesicherte Risikofaktor ist der nicht in den Hodensack gewanderte Hoden. Bei diesem sogenannten Kryptorchismus ist die Gefahr der Tumorentwicklung 10-20-mal größer als beim normal deszendierten Hoden. Andere Faktoren wie Verletzung, Infektion, Hormonstörungen, genetische Disposition oder vorangegangene Leistenhernien-Operationen werden diskutiert, sind aber in ihrer kausalen Bedeutung nicht gesichert. 

Feingeweblich liegt beim Hodencarcinom überwiegend (über 90%) ein so genannter maligner Keimzelltumor vor. Diese verteilen sich auf ca. 40% Seminome, ca. 40% Nicht-Seminome, der Rest sind seltene Formen.

Nach der Diagnose und der feingeweblichen Einordnung (Histologie) muss für jeden Patienten das Erkrankungsstadium bestimmt werden, da sich hieraus das weitere therapeutische Vorgehen ergibt. Hierfür stehen verschiedene Klassifikationssysteme zur Verfügung (TNM-System, Lugano-Klassifikation). Diese Systeme berücksichtigen Lokalisation, Größe und Ausbreitung des Tumors, Lymphknotenbefall, Metastasensitz und -größe.  

Aus der Lage des Tumors und 3 Laborwerten (LDH, AFP und HCG) lassen sich Prognoseabschätzungen gewinnen, die ebenfalls in die Therapieplanung einbezogen werden.

Bei Verdacht auf ein Hodencarcinom sind Tastuntersuchung, Sonografie, Bestimmung der Tumormarker (AFP und HCG) und ein operativ diagnostischer Eingriff am Hoden, ggf. mit Schnellschnitttechnik zur Gewinnung von Gewebe für die histologische Untersuchung erforderlich.

In seltenen Situationen, z. B. bei Frischzelltherapie oder nach Thymuspräparaten können falsche hohe Tumormarker, vor allem der AFP aber auch des HCG auftreten. Erhöhungen der AFP kommen auch bei schweren Leberschäden sowie Karzinomen der Leber vor. Einzelfälle mit erhöhtem HCG sind nach Cannabis-Gebrauch beschrieben worden.

Als ergänzende Untersuchungen erfolgen eine Röntgenuntersuchung des Brustraumes sowie eine Computertomographie des Bauchraumes.

Ist die Röntgenaufnahme des Brustraumes unauffällig, kann ggf. noch eine Computertomographie notwendig werden.

Bei bevorstehender Entfernung der retroperitonealen Lymphknoten sollten zusätzlich eine röntgenologische Darstellung der harnableitenden Wege sowie eine Ultraschalluntersuchung der Nieren erfolgen.

Bei der Entscheidung über die erforderliche Therapie bestehen Unterschiede zwischen Seminomen und Nicht-Seminomen. Die weitere Therapie ist davon abhängig, welcher feingewebliche Typ des Hodentumors vorliegt. Wir unterscheiden Seminome und Nicht-Seminome.

Hodencarcinom: Seminom

Bei den Seminomen werden die Patienten mit metastasierten Seminomen anhand einer international gültigen Klassifikation in drei Prognosegruppen (gut, intermediär und schlecht) eingeteilt. 

Beim Seminom im Stadium I werden fast 100 % Heilung erreicht. Es erfolgt die operative Entfernung des betroffenen Hodens. Zeigt hier die feingewebliche Untersuchung ein günstiges Risikoprofil, so ist keine weitere Therapie erforderlich. Allerdings müssen die Patienten engmaschig nachbeobachtet werden.

Bei Vorliegen von Risikofaktoren kann entweder eine Bestrahlung der Lymphknoten entlang der großen Bauchgefäße erfolgen oder eine Chemotherapie mit der einzelnen Substanz Carboplatin gegeben werden. Sowohl die Strahlentherapie wie die Chemotherapie werden in dieser günstigen Situation niedrig dosiert (Strahlendosis 20 Gy; Chemotherapie ein Zyklus Carboplatin).

Bei den metastasierten Patienten mit guter Prognose ist die Langzeitüberlebensrate über 90 %, wenn eine Chemotherapie durchgeführt wird. Auch bei den Patienten der intermediären Gruppe werden Langzeitüberlebensraten von 80 % erreicht. Relativ wenige Patienten gehören in die ungünstige Prognosegruppe, hier ist das Langzeitüberleben im Durchschnitt bei 40-50 %. 

Die Chemotherapie besteht in der ersten Prognosegruppe aus drei Zyklen PEB (Cisplatin, Etoposid, Bleomycin). Et. Bestehen Gründe, Bleomycin nicht einzusetzen, so können den Patienten auch vier Zyklen Cisplatin/Etoposid gegeben werden.

Patienten in der intermediären Prognosegruppe erhalten vier Zyklen PEB. Dies gilt auch für Patienten in der schlechten Prognosegruppe.

Finden sich in der Bildgebung (Computertomographie) nach Abschluss der Therapie noch vergrößerte Herde, so kann nicht sicher entschieden werden, ob diese aktive Tumorzellen enthalten. Sind die Herde größer als 3 cm, so kann 6-8 Wochen nach Abschluss der Therapie ein PET-CT hilfreich sein. Zeigen sich Anreicherungsherde, so sollten diese operativ entfernt werden. Bei Herden unter 3 cm ist die Sicherheit des PET-CTs geringer, trotzdem kann eine Diagnostik versucht werden.

Im Falle eines Rezidivs stehen verschiedene Chemotherapiekombinationen zur Verfügung. Substanzen, die eingesetzt werden, sind unter anderem Gemcitabin, Oxaliplatin und Paclitaxel. Meistens werden auch hier Kombinationen verwendet. 

Die Heilungschancen bei früh entdecktem Hodenkrebs sind exzellent, aber auch in fortgeschrittenen Stadien kann mit Einsatz einer 2. Chemotherapie (und ggf. erneuter Operation) oft eine Heilung erreicht werden. In einigen Fällen bei mangelndem Ansprechen auf eine reguläre Chemotherapie kann eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Rückgabe eigener Stammzellen (autologe Transplantation) erfolgen.

Hodencarcinom: Nicht-Seminom 

Wird ein Nicht-Seminom in einem sehr frühen, auf den Hoden begrenzten Stadium entdeckt (Stadium I), so erfolgte früher eine Entfernung der Lymphknoten im Becken- und Bauchraum um festzustellen, ob wirklich keine Tumorzellen in den Lymphknoten sind. Heute erfolgt die Therapieentscheidung bereits aus der ersten Operation des Hodencarcinoms selbst. Sind keine Tumorzellen in die Blutgefäße im Hoden eingedrungen, so kann auf eine anschließende Therapie verzichtet werden. Engmaschige Nachsorgen (siehe unten) sind dann allerdings unbedingt erforderlich.

Finden sich Tumorzellen in den Blutgefäßen, so wird eine Chemotherapie mit zwei Kursen empfohlen. In fortgeschrittenen Stadien wird auf jeden Fall eine Chemotherapie durchgeführt, die in der Regel in der Lage ist, die Erkrankung zu heilen.

Patienten mit Nicht-Seminom im Stadium IIa/b erhalten drei Zyklen PEB (Cisplatin, Etoposid, Bleomycin) oder vier Zyklen Cisplatin/ Etoposid. Hat sich der Tumor darunter vollständig zurückgebildet, so ist eine Operation im Bauchraum nicht erforderlich. 

Im Falle eines Rezidivs stehen verschiedene Chemotherapiekombinationen zur Verfügung. Substanzen, die eingesetzt werden, sind unter anderem Gemcitabin, Oxaliplatin und Paclitaxel. Meistens werden auch hier Kombinationen verwendet. 

Sind bei Patienten mit Nicht-Seminom in der bildgebenden Diagnostik (Computertomographie) Lymphknoten von 1-2 cm Größe im hinteren Bauchraum zu erkennen, so ist nicht ganz sicher zu entscheiden, ob es sich um einen Tumorbefall handelt. In einigen Fällen ist das sog. PET-CT hilfreich. Ist eine Entscheidungsfindung so nicht möglich, so können die Lymphknoten entweder mit einer nervenschonenden Operation entfernt werden, oder die Patienten werden engmaschig überwacht. 

Finden sich nach Abschluss der Chemotherapie noch vergrößerte Lymphknoten im Computertomogramm, so beruht dies bei 20-30 % der Patienten auf bestimmten Tumoranteilen (sog. reife Teratomanteile), bei 60 % der Patienten handelt es sich um komplett untergegangenes Gewebe (Nekrose). Leider hilft das PET-CT in dieser Fragestellung noch nicht zuverlässig weiter. Aus diesem Grund wird derzeit noch empfohlen, alle nachweisbaren Herde operativ zu entfernen. 

Die Heilungschancen bei früh entdecktem Hodencarcinom sind exzellent, aber auch in fortgeschrittenen Stadien kann mit Einsatz einer 2. Chemotherapie (und ggf. erneuter Operation) oft eine Heilung erreicht werden. In einigen Fällen bei mangelndem Ansprechen auf eine reguläre Chemotherapie kann eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Rückgabe eigener Stammzellen (autologe Transplantation) erfolgen.

Hodencarcinom: Folgen der Chemotherapie

1. Die Standardchemotherapie beim Hodencarcinom ist eine Kombinationstherapie aus drei Chemotherapiemitteln. Hierbei handelt es sich um Cisplatin, Etoposid und Bleomycin.

Bei den meisten Patienten mit Hodencarcinom handelt es sich um junge Männer. Aus diesem Grund ist die Frage der langfristigen Nebenwirkungen besonders wichtig. Zwei stehen hier im Vordergrund: auf der einen Seite der Einfluss auf die Vertilität, auf der anderen Seite die Beobachtung, dass bei diesen Patienten im späteren Leben ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen besteht.

Bezüglich der Fertilität hängt diese möglicherweise ab von der Anzahl der Chemotherapiezyklen. Die Rate der Infertiliät wird in der Literatur unterschiedlich angegeben. Aus diesen Gründen sollte dem Patienten vor Beginn der Therapie eine Kryokonservierung von Spermien angeboten werden.

Die genauen Hintergründe für die erhöhte Rate an Herzkreislauferkrankungen ist nicht bekannt. Allerdings ist auffallend, dass ein relativ höherer Anteil der Patienten nach erfolgreicher Therapie übergewichtig sind und Risikofaktoren wie hohen Blutdruck oder hohe Fettstoffwechselwerte aufweisen. 

2. Bei den Patienten, die nur eine Carboplatin-Monotherapie mit 1 oder 2 Zyklen erhalten, sind bisher keine Spätfolgen gefunden worden. 

3. Zu den einzelnen Substanzen der Chemotherapie bestehen spezifische Nebenwirkungen. So kann Bleomycin zu einer entzündlichen Reaktion der Lunge und, wenn keine Therapie erfolgt, zu einer Vernarbung (sog. Fibrose) führen.

Bei Cisplatin sind Schädigungen der Niere und der Nerven (Sensibilitätsstörungen) möglich. Die Patienten sollten engmaschig überwacht werden. 

4. Sowohl bei einer Strahlentherapie des Bauchbereiches wie bei einer Chemotherapie besteht die Gefahr von sehr viel später entstehenden anderen Krebserkrankungen (z. B. Magen-, Bauchspeicheldrüsen-, Blasen- oder Prostatakrebs oder Darmkrebs). Wie die Häufigkeit bei den modernen Chemotherapien und Strahlentherapien ist, kann noch nicht genau ausgesagt werden. Aus dem Grund der Langzeitfolgen sollten Patienten nach Hodencarcinomtherapie auch nach Abschluss der eigentlichen Tumornachsorge weiter regelmäßig von einem erfahrenen Onkologen betreut werden.

5. Bei der niedrig dosierten Strahlentherapie für Patienten im Stadium I eines Seminoms liegen vermutlich auch keine wesentlichen Spätfolgen vor.  

6. Die Entfernung der Lymphknoten im hinteren Bauchraum (retroperitoneale Lymphadenektomie) kann als offene Operation oder laparoskopisch („Schlüssellochtechnik“) durchgeführt werden. Wichtig ist eine nervschonende Operationstechnik. Trotzdem kommt es bei 5-30 % der Patienten zu einem Ejakulationsverlust.

Hodencarcinom: Nachsorge

Nachsorgeuntersuchungen sind in den ersten zwei Jahren nach Primärtherapie mindestens alle 2 Monate durchzuführen. Im 3. bis 5. Jahr genügen 6-monatige Untersuchungsabstände.

Im Rahmen des „wait und see“-Programms im Tumorstadium I sollten in den ersten beiden Jahren  monatliche Kontrollen der Tumormarker und mindestens 2-monatliche Kontrollen des Röntgens und CT’s erfolgen. Ziele der Nachsorgeuntersuchungen sind das rechtzeitige Erkennen eines Rezidivs und das Erkennen und Behandeln von Therapiefolgen.

Angebot für Patienten mit Hodencarcinom in der Habichtswald-Klinik Kassel 

Alle unsere therapeutischen Angebote tragen gemeinsam zur Wiedererlangung der Einheit von Körper, Geist und Seele bei.

Patienten, die zu einer Anschlussheilbehandlung im Rahmen einer Rehabilitation zu uns kommen, erfahren eine intensive Begleitung, die zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität führen soll. Es handelt sich in der Regel um junge Menschen, die durch diese Erkrankung aus Berufsausbildung, Studium oder aktivem Berufsleben herausgerissen werden. Die Anschlussheilbehandlung konzentriert sich daher ganz vorrangig auf den Wiederaufbau der Kräfte. Sporttherapie, Medizinische Trainingstherapie und ggf. Krankengymnastik stehen deshalb im Vordergrund.

Im Rahmen der Behandlung eines Patienten mit Hodencarcinom gibt es keine komplementäre Therapie, die die Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie ersetzen kann. Wir wissen aber, dass komplementäre Verfahren die Lebensqualität während und nach der schulmedizinischen Therapie erhöhen können. Unter komplementären Verfahren verstehen wir gezielt eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel und die Pflanzenheilkunde, z. B. zur Linderung von Folgeerscheinungen der Chemotherapie, zur Unterstützung von Entspannungsverfahren, zur natürlichen Beeinflussung von Ängsten und Depressionen.

Darüber hinaus hat es sich die Naturheilkunde zum Ziel gesetzt, das unter der Krebserkrankung und der Schulmedizin leidende Immunsystem zu stärken und in seinem Kampf gegen die Krebserkrankung zu unterstützen. 

Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden.

Aufgrund der meist ausgezeichneten Prognose tritt für die meisten Patienten mit Hodencarcinom das psychoonkologische Angebot in den Hintergrund. Für Patienten mit einer fortgeschrittenen Erkrankung oder mit einem Rezidiv stellen sich jedoch Fragen der Krankheitsverarbeitung, nach Zusammenhängen, der Bedeutung der Erkrankung in der persönlichen Lebensgeschichte. 

Ein spezielles Angebot haben wir für Patienten nach einer Hochdosis-Chemotherapie, das eine besonders intensive multidisziplinäre Betreuung umfasst.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
 © Dr. Jutta Hübner, Onkologie

Animationen animierte Augen

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Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

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Aktualisiert: Juni 2010

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